LebensWelten

Theater als interkultureller Begegnungsraum

von Ute Getta-Assef u. Soran Assef, Figuren Theater Phoenix

Das LebensWelten-Ensemble bei der Verleihung des „Bürgerpreises Rems-Murr“ in der Kategorie Junge Helden (Foto: Esther Egelhof)

Das zweijährige Theaterprojekt LebensWelten mit jungen Asylsuchenden und der phoenix compagnie, dem Jugendensemble des Figuren Theater Phoenix aus dem baden-württembergischen Schorndorf, wurde 2015 mit dem „Bürgerpreis Rems-Murr“ in der Kategorie Junge Helden ausgezeichnet und für den „Deutschen Bürgerpreis 2015“ in der Kategorie U 21 nominiert.

Inspiriert durch die frühen afghanischen Kriegsteppiche, die hergestellt von Flüchtlingen in pakistanischen Flüchtlingslagern das Schicksal der Betroffenen thematisieren, erzählen wir in dem Theaterprojekt LebensWelten von jungen Menschen, die bei uns Asyl suchen. Wir verknüpfen ihre individuellen Erlebnisse und die unserer Jugendlichen mit sozialen Aspekten und fiktiven Ereignissen und zeigen Themen, die junge Menschen in jeder Kultur beschäftigen. Unser biographischer Geschichtenteppich erzählt von Krieg und Fremde, aber auch von Liebe, Freude, Familie und Heimat. Er erzählt von Menschen, die hier leben und Menschen, die auf der Durchreise sind, auf der Suche nach einer neuen Heimat. LebensWelten ist ein Projekt im Wandel. Morgen werden es wieder andere Geschichten sein als heute.

Im Frühjahr 2014 starteten wir mit unserem interkulturellen Theaterprojekt LebensWelten. Theater als interkultureller Begegnungsraum. Die Protagonisten: unser Jugendensemble, die phoenix compagnie, und junge Asylsuchende aus Afghanistan, Syrien, Pakistan, Nigeria, Kamerun und Serbien. Gemeinsam sollten sie Themen finden und in Szenen gießen. Wir wussten nicht, ob und auf wie viel Interesse unser Angebot bei den Asylsuchenden stoßen würde und ob es überhaupt zu einem Dialog kommt. Besser gesagt, kommen kann, wenn sie die deutsche Sprache noch gar nicht beherrschen, weil sie erst kurze Zeit in Deutschland sind.
Sie sind gekommen. Anfangs zögerlich, aber neugierig und offen. Sie entwickeln einen großen Ehrgeiz, sich auf Deutsch auszudrücken und auf das Abenteuer Theater einzulassen.
Wir arbeiten spartenübergreifend mit den Jugendlichen und verwenden neben Schauspiel, Pantomime und Musik Elemente des Figurenspiels. So auch bei unserer neuesten Produktion LebensWelten NO 4, die Ende Oktober Premiere hatte und bei der sich das Ensemble noch um Schülerinnen und Schüler der Robert-Koch-Realschule aus Stuttgart-Vaihingen vergrößerte!
So ist unser LebensWelten-Ensemble stetig gewachsen und hat gezeigt, dass der interkulturelle Dialog auf wunderbare und inspirierende Weise funktioniert.
Für uns vom Phoenix ist es mehr als ein bloßes „Ensemble“. Es ist eine Theaterfamilie! Wir haben Asylsuchende eingeladen und gekommen sind liebenswerte, offene und sehr kreative Menschen, deren größter Wunsch es ist, endlich ein sicheres Zuhause zu finden, Freunde und eine Lebensperspektive für die Zukunft. Sie bringen sich ein und ihre kulturelle Herkunft ist kein Hindernis, sondern eine große Bereicherung.

Wenn auch die zweijährige Förderung des Projektes aus Mitteln des Innovationsfonds Kunst des Landes Baden-Württemberg nunmehr ausgelaufen ist, so wollen wir auf jeden Fall weitermachen. Mit dem Preisgeld ist der Grundstein dafür gelegt. Auch werden wir uns nach neuen Fördermöglichkeiten und Sponsoren umschauen. Das Projekt ist künstlerisch vorangeschritten und Teil des Theaters geworden. Wir sind mächtig stolz auf unser LebensWelten-Ensemble!

Puppen, Menschen & Objekte, Ausgabe Nr. 113 (2015/2)

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