06. September 2017

Resumé zur 2. Deutsche Figurentheater-Konferenz

Die 2. Deutsche Figurentheater-Konferenz ist erfolgreich zu Ende gegangen

Am ersten September-Wochenende ging mit einer Nacht der Puppen und einer Auswertung die zweite deutsche Figurentheaterkonferenz im Northeimer Theater der Nacht zu Ende.

36 Figurentheater aus der gesamten Bundesrepublik und dem Ausland haben sich getroffen, um bei international renommierten Meistern des Figurenspiels zu lernen. Unterrichtet haben Richard Bradshaw aus Australien, der mit den Aufführungen seines Schattentheaters Weltruhm errang und in einem Film von Jim Henson als einer der besten Puppenspieler der Welt vorgestellt wurde. Scott Köhler aus Frankreich, der einen Workshop zu einem bildhaften Figurentheater ohne Sprache gab, spielt seit mehr als 10 Jahren bei der Compagnie Philippe Genty in Paris mit. Er hat mit den Workshopteilnehmern in einer Mischung aus Tanz, Material, Figuren- und Maskenspiel Bilder entwickelt, die aus dem Unbewußten kommen. Margit Gysin, die „grande dame" des Figurenspiels aus der Schweiz, die ihr Theater vor allem für kleine Kinder entwickelt und damit auf fast alle großen Festivals dieser Welt eingeladen wurde, unterrichtete unterschiedliche Möglichkeiten, mit Objekten und Figuren Märchen zu erzählen.

Für die Figurentheater ist die Konferenz ein in Deutschland und zur Zeit auch noch in Europa einmaliges Ereignis.
Dieses Arbeits- und Forschungstreffen haben die zwei größten Puppenspielverbände Deutschlands in Zusammenarbeit mit dem Northeimer Theater der Nacht zum zweiten Mal ermöglichen können, weil die Volksbank Mitte, die AKB-Stiftung, die Stadt und die Kulturstiftung des Landkreises dieses weit über die Grenzen des Landes wirkende Projekt zu unterstützt haben.

10 Prozent der gesamten Figurentheaterszene waren dabei: Amateur- und professionelle, junge und alte Bühnen haben zusammen gearbeitet, sich theoretisch und praktisch mit der Kunstform des Figurentheaters auseinander gesetzt. In der Werkschau der „Nacht der Puppen“ konnte das hiesige Publikum die unterschiedlichen Ansätze und damit auch die Bandbreite dessen, was im Figurentheater möglich ist, hautnah miterleben.

In unterhaltsamen Kurz-Szenen wurden Schattenspiel und Märchen dargeboten, daneben konnte man in den Szenen des Workshops von Scott Köhler sehr genau die Bildsprache eines Philippe Genty erkennen.

„Blech und Schwefel“ aus Kassel hat dem Abend mit schwungvoller „Guggenmusik“ einen witzigen und tanzbaren Abschluss verschafft.

Für die Figurentheater ist diese Zusammenkunft ein Novum. Der Großteil der Figurentheater in der Bundesrepublik gehören zur freien Szene und erhalten weder städtische noch staatliche Subventionen. Das bedeutet für den Alltag, dass die meisten Figuren- bzw. Puppentheater kleinere Inszenierungen mit ein bis zwei Spielern anbieten, meistens im Kindertheaterbereich. Auf diese Weise sorgen viele Figurentheater für den ersten Kontakt von Kindern mit Theater überhaupt. Gleichzeitig bedeutet das, dass Figurentheater durch diese Strukturen oft als Kindertheater wahrgenommen wird. Ein politisches Engagement über die eigene Arbeit hinaus können sich die Spieler oft gar nicht leisten.

Die stärkere Vernetzung der Figurentheater untereinander auf der Konferenz, die Intensivierung der Kontakte zur internationalen Figurentheaterszene und das Symposium, mit dem die Konferenz in diesem Jahr eröffnet wurde, gab der gemeinsamen Arbeit ein Thema, das sich durch die ganze Woche hindurchzog: Figurentheater und Politik.

Es wurde über die gesellschaftliche Situation der Figurentheater gesprochen. Während der Konferenz haben Margit Gysin und Richard Bradshaw zu diesem Thema auch von der Theatersituation in anderen Ländern berichtet. Es wurde in den Theaterstücken, die das Symposium umrahmten, politische Verhältnisse und ihre Auswirkungen auf philosophischer, persönlicher, politischer und gesellschaftlicher Ebene gezeigt. Und es wurde mehr als deutlich, dass das Figurentheater eine Kunstform ist, die sich im Reigen der anderen Künste nicht verstecken braucht, sondern selbstbewußt ihren Platz in der Gesellschaft vertreten kann.

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